Freitag, Mai 19, 2006
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Die Meldung im Volltext:
Drahtlos-Netzwerk Fon
Bei Bill und Linus weltweit mitsurfen
Darf ich bei dir mitsurfen, kannst du bei mir ins Internet - nach diesem Motto will ein spanisches Unternehmen ein weltweites Drahtlos-Netzwerk knüpfen. Die Grundidee: Privatleute können sich als "Linus" registrieren und geben ihren Zugang gratis für andere frei. Oder sie werden "Bill" und kassieren Geld dafür fürs WLAN-Teilen.
Von Fiete Stegers, tagesschau.de
Die Grundidee ist nicht neu: Drahtloser Internet-Zugang für alle. Bisher ist das fast überall noch Zukunftsmusik - wer in einem Café oder anderswo ein "Hotspot"-Schild erspäht, muss dort meist horrende Gebühren bezahlen, bevor er sich mit seinem Computer ins Internet einklinken kann. Zwar will die Suchmaschinen-Firma Google in den nächsten Jahren ganz San Francisco flächendeckend mit Hotspots überziehen - bisher aber sind öffentliche Drahtlos-Netzwerke meist kleinere lokale Initiativen von Bastlern und Internetfreaks. So gibt es in Berlin-Friedrichshain seit 2002 eine Freifunk-Initiative: Weil nicht überall in der Stadt moderne Breitband-Zugänge angeboten wurden, gaben mitleidige DSL-Kunden in angrenzenden Stadtvierteln ihre Internetzugänge über WLAN für andere Nutzer frei und verlängerten die "Drahtloswolke" über selbstgebastelte Antennen bis in die DSL-Diaspora.
Im großen Stil ist das auch die Idee des Argentiniers Martin Varsavsky, und seit er Ende 2005 in Spanien sein Unternehmen Fon gegründet hat, geht es mit großen Schritten voran. Rund 37.000 Nutzer weltweit haben sich auf der Fon-Homepage bereits registriert, um einen Teil ihrer Breitband-Kapazität an Laptop-Nomaden in ihrer Nähe freizugeben. Ein spezieller WLAN-Router oder Software von Fon sorgen dafür, dass andere registrierte "Foneros" auf die freigegebenen Internet-Zugänge zugreifen können - und dabei dem eigentlichen Besitzer nicht seine ganze Bandbreite abspenstig machen. "Wenn Sie in großen Städten Ihren Laptop anschalten, findet das Gerät heute schon jede Menge WLAN-Netze - allerdings passwortgeschützt. Wir wollen dafür sorgen, dass Sie die auch nutzen können", sagte Robert Lang von Fon Deutschland.
Wer Geld kassiert, muss auch bei anderen zahlen
Fon nennt sich "Movimento", Bewegung. In den Firmengremien sitzen Leute wie die Internet-Gurus David Weinberger, Esther Dyson und Dan Gillmor - aber auch als Deutschlandmanagerin Christiane zu Salm, die ehemalige MTV- und 9-Live-Chefin. Denn Fon ist natürlich ein Unternehmen, das Geld verdienen will. Wer sich registriert, kann das entweder als ein "Linus" tun - dann stellt er anderen seinen Zugang kostenlos zur Verfügung und darf selbst an allen Fon-Punkten weltweit gratis surfen. Oder er entscheidet sich ein "Bill" zu werden. Dann kann er von anderen "Bills" Geld verlangen. Die Preise dafür will Fon in den nächsten Wochen festsetzen. Die Einnahme teilen sich das Unternehmen und der jeweilige "Bill". "Das wird etwa bei zwei, drei Euro pro Tag liegen", sagt Lang.
Keine Graswurzelbewegung
Klar ist aber: Fon will es sich nicht mit den großen Internetprovidern verderben. "Wer seinen Internetzugang über Fon zur Verfügung stellt, muss ja dafür erst einmal bei einem Provider einen DSL-Anschluss haben", bemüht sich Lang den Providern klar zu machen. Und wer Fon nur als zahlender Kunde nutzt, solle dabei auf jeden Fall schlechter wegkommen als ein DSL-Besitzer.
Die Provider zeigen sich zunächst noch eher skeptisch - während einige in ihren Verträgen ihren Kunden untersagen, die DSL-Leitungen Dritten zu überlassen, haben zumindest die großen Anbieter Freenet, T-Online und AOL nach eigenen Angaben nichts dagegen, wenn ihre Kunden ihre Leitungen via Fon für andere öffnen. Fon hofft auf mehr: In Frankreich will ein großer Provider laut Lang sämtliche Kunden mit Fon-tauglichen Routern ausstatten, in Schweden möchte ein Unternehmen die Uni-Stadt Lund an das offene Netz hängen. Die Partner bekommen dann ein Stück von den Gebühren, die die "Bills" zahlen müssen. Um Kneipen als Hotspots zu gewinnen, überlässt ihnen Fon die Router gratis.
Der Suchmaschinen-Gigant Google und das Internet-Telefonunternehmen Skype setzen auf den Erfolg von Fon und haben Millionen in die Firma investiert. Spätestens 2010 will das Unternehmen eine Million "Foneros" gewonnen haben. Und was sagt Fon, wenn sich von diesen dann 98 Prozent als "Linus" fühlen und ihre Internetzugänge gratis teilen wollen? "Dann haben wir immer noch eine Million Hotspots, die auch alle Nutzer ohne eigenen Zugang nutzen können", meint Lang. Und die müssen dann in jedem Fall zahlen.
Stand: 19.05.2006 11:28 Uhr
Geschrieben von Peter on Business | Comments (0)
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